Die ROTE BRAUSE für Stralsund! Der Fotograf Harry Hardenberg bietet mit seinem neuen Bildband aus dem Steffen Verlag Einblicke und Sichten in den Alltag der sechziger bis achtziger Jahre in der DDR-Hansestadt. Das Besondere dieser fotografischen Zeitreise in die Ära des DDR-Staatssozialismus sind die Abbilder jener Menschen, die über Jahrzehnte die Geschicke der Stadt Stralsund lenkten. Es sind die so genannten kleinen Leute, die Fischer, Arbeiter(innen), die Schüler und Rentner, Künstler(innen) und auch hiesigen Funktionäre, die der Autor in ihrer Stadt auf Fotopapier bannte. Städtebauliche Umwälzungen, das Erinnern an Verschwundenes und die bedeutungsvolle Bindung von Stadt und Meer machen dieses Buch zu einem atmosphärischen Kaleidoskop jüngster Geschichte.
Ein Teil Stralsunder Industriegeschichte lebt wieder auf, die Werften, Fischereien, die Jugendmode. Und auch das Handwerk, so genannte privat(kapitalistisch)e Nische im real existierenden Sozialismus, wird wieder erlebbar gemacht, Schneidereien, Schuhmacher- und Kfz-Betriebe. Natürlich kommen auch Kunst und Kultur nicht zu kurz, wenn Harry Hardenberg Abbilder vieler Maler, Bildhauer und Schriftsteller der Öffentlichkeit auf ein Neues präsentiert.
Gutbürgerliches Leben gibt es zu sehen. Es wird gearbeitet, gelernt, geliebt, geboren, gefeiert. Festivitäten gibt es zu sehen, Hochzeiten, Jubiläen und natürlich auch die Jugendweihen. Der ältere Betrachter wird sich über die Vertrautheit des Festgehaltenen zurückbesinnen und mit jungen Stralsundern und Gästen eine Welt beschauen, die zum Nachdenken anregen wird.
Aus der Spannung zwischen dem Blickwinkel des Fotografen Hardenberg und der heutigen Sicht mit dem historischen Wissen der zurückliegenden Jahrzehnte erwächst der Reiz dieser Fotochronik. Hardenberg gelingt es eindrucksvoll, dem großen Bedürfnis nachzukommen, Vergangenheit aufleben zu lassen.